NAVIGATION

Audi E-Tron S Coupé - Ein Ritt im heissen Elektro-Prototyp

26. Feb. 2020 I Autor: Hagen Greifenthal I 2016 mal gelesen
Audi E-Tron S Coupé - Ein Ritt im heissen Elektro-Prototyp
Im tiefen Zustand ein Sportwagen, hochgefahren ein Coupé-SUV - allerdings mit dem S für brutalen Spass

Elektro. Hatten wir noch nicht oft. Aber dieses E-Auto hat was. Und ist: Noch ein Prototyp - Vorsicht ist also geboten. Auf einer abgesperrten Rennstrecke in Neuburg an der Donau hatte Audi Journalisten eingeladen, den neuen E-tron S Quattro zu testen, der seine Premiere eigentlich erst Anfang März auf dem Genfer Autosalon feiern wird. Das Wetter ist - passend zum Quattro - abwechslungsreich. Graupel- und Regenschauer, dunkler Himmel. Wir sind gespannt - und immer noch verwundert, wenn anstatt eines sonoren Quattro Klangs ein Auto summend auf uns zurollt. Ja, man muss sich erst an die E-Generation gewöhnen. Gott, was vermissen wir den Sound des legendären Quattro-Fünfzylinders. Aber geil aussehen tut er schon mal. Sehr geil.

Drei Motoren, Allrad, geiles Design - aber kein Fünfzylinder-Sound

Der Name "E-Tron S" ist ein wenig irritierend, denn eigentlich handelt es sich um einen gepimpten E-Tron Sportback, der optisch auch nur leicht sportlicher gestaltet wurde. Laut Audi vereint der Sportback die Kraft eines geräumigen SUV mit der Eleganz eines Viertürer-Coupés - und dem progressiven Charakter eines Elektroautos. Er ist 4.901 Millimeter lang, 1.935 Millimeter breit und 1.616 Millimeter hoch. Das "S" steht bei Audi traditionell für die sportlichen Spitzenmodelle. Und Achtung, kleiner Spoiler: Das Ding hier ist ein wahres Sportgerät - aber nicht der Schnellste beim Topspeed.



Wir machen es heute mal eher technisch und schauen weniger auf Komfort, Ausstattung und den Innenraum. Aber wir können es uns nicht verkneifen: Das Audi-Cockpit ist stylish, cool und technisch designt, alles auf den Fahrer ausgerichtet, ergonomisch perfekt (hier könnte Mercedes-Benz sehr viel lernen). Alles passt, alles stimmt, ein guter Materialmix. Was besonders Spass macht, sind die beiden Monitore links und rechts in der Tür, die die Aussenspiegel ersetzen. "Moment" wird da der spitzfindige Leser sagen, "ich sehe da doch Aussenspiegel". Nein. Sehen so aus, sind aber winzig - weil es Kameras sind. In der Tat, das Bild nach hinten wird in den Monitoren in den Türen dargestellt. Als Fahrschulwagen also weniger zu empfehlen, aber ein lustiges Hightech-Gimmick.

Statt Aussenspiegel gibt es Kameras, das Bild dazu in den Türen

Mit den beiden Modellvarianten "E-Tron S" und "E-Tron S Sportback" will Audi ein Bekenntnis zur Elektromobilität abgeben. Und zum 40. Geburtstag des Quattro-Allradantriebs ein besonderes Präsent auf den Gabentisch legen. Der Viertürer ist der erste Gross-Serienwagen, der mit drei elektrischen Antriebsmotoren auf Tour geht. Eine E-Maschine versorgt die Vorderachse, zwei sitzen im Heck und treiben trotz ihres gemeinsamen Kühlkreislaufs völlig unabhängig voneinander die Hinterräder an. Das birgt immense Chancen zur Steigerung der Agilität. Denn über die komplexe Steuerung der Antriebe lässt sich das kurvenäussere Rad mit erheblich höherem Drehmoment beaufschlagen als der Reifen im inneren Kurvenradius.



Torque-Vectoring nennen die Fahrwerksdynamiker diesen Kniff, der die Grenzen des Machbaren beinahe schon hinter den Horizont schiebt. Denn der Drehmomentunterschied von bis zu 2.000 Newtonmetern (je Rad plus 1.000 oder minus 1.000 Nm) unterstützt das Einlenkverhalten in die Kurve erheblich, das Lenkrad dient letztlich nur dazu, sanfte Kurskorrekturen vorzunehmen.

Der E-Tron S ist ein schwerer Brocken, allein 700 Kilogramm wiegt seine im Unterboden eingebaute, flache Batterie. Das aus 36 einzelnen Modulen bestehende Paket ist nur 34 Zentimeter hoch und 2,28 Meter mal 1,63 Meter lang und breit. Der Akku arbeitet mit einer Spannung von 397 Volt, die Kapazität liegt brutto bei 95 kWh - 86,5 kWh, also 91 Prozent davon, sind nutzbar.



Die Fahrdaten sprechen Bände, in 4,5 Sekunden beschleunigt der etwa 2,6 Tonnen schwere Wagen von null auf 100 km/h. Wobei sich die Frage stellt, wie sinnvoll es ist, den ganzen lieben langen Alltag lang ein solches Extragewicht mitzuschleppen - nur um gelegentlich den anderen den nicht vorhandenen Auspuff zu zeigen? Am Ende wird der elektrische Audi von seinen konventionell angetriebenen Brüdern ohnehin abgehängt – seine Höchstgeschwindigkeit ist auf 210 km/h limitiert. Damit fällt er für viele Kunden schonmal aus dem Raster, schickes Design und Leistung hin oder her.

Tolle Beschleunigung und Performance, aber Topspeed wie ein Kompakter

Aber das E-Quattro System kann viel. 435 PS und 806 Nm Drehmoment erreicht das Trio als Systemleistung. Die kräftige Kühlung erlaubt sogar eine Boost-Funktion. Bis zu acht Sekunden lang generiert der Antrieb dann 503 PS und 973 Nm. Das wird in Kurven besonders deutlich. Der Audi-Mann auf dem Beifahrersitz ermuntert uns: "Jetzt voll drauf aufs Gas," sagt er genau am Kurvenscheitelpunkt. Gesagt getan, wenn auch das Fahrpedal kein Gas gibt, der Schub ist gewaltig, weil das Drehmoment – anders als bei jedem noch so sauber abgestimmten Turbomotor – sofort anliegt.



Sanft verlässt das Heck die Spur der Vorderräder, im grossen Winkel angestellt schwingt sich der E-Tron S durch die Biegung. Das gelingt auch jenen, die nicht täglich damit ihr Brot verdienen, wie der schwedische Ur-Quattro Rallyefahrer Stig Blomqvist, der bei einer Einführungsrunde das Potenzial des Elektrosportlers vorführt. Mühelos lässt sich der Fahrweg trotz der verlorengegangenen Haftung der Hinterräder bestimmen. Leichte Korrekturen am Lenkrad genügen, um die Kurve sicher zu meistern.

Die S-Version des Sportback ist ein brutal-spassiges Spiel-Mobil

Das funktioniert allerdings nur dann, wenn der Fahrmodus "Dynamic" gewählt wird und das elektronische Stabilitätsprogramm in der Einstellung "Sport" bestimmte Driftwinkel zulässt. Bei "Sport plus" ist es dann völlig abgeschaltet und der Fahrer auf sich allein gestellt. Wobei die Frage auftaucht, wo und wann der Kunde eines E-Tron S jemals diese Funktionen ausprobieren kann oder einsetzen muss. Gewiss nicht auf öffentlichen Strassen. Vermutlich ausschliesslich genau hier, im Audi-Trainingszentrum, wo kein anderer gefährdet wird und die Auslaufstrecken bis zur nächsten Leitplanke gross genug sind.



Die Technik kann jedoch begeistern. Der grosse Elektromotor sitzt beim S-Modell an der Vorderachse. Er leistet als Solist 169 PS und 204 PS im Boost. Die beiden Elektriker im Heck sind miteinander verbunden wie siamesische Zwillinge, sitzen in einem Gehäuse um gemeinsam im geschlossenen Kühlkreislauf die gute Laune zu bewahren und bringen es zusammen auf 265 PS bzw. 359 PS im Boost. Das Besondere: Jeder hintere Elektromotor ist für ein Rad zuständig.

Luftfeder-Fahrwerk kann sowohl tief als auch hoch - multitasking

Zur Serienausstattung des E-Tron S wird die Luftfederung mit adaptiver Dämpfung zählen, die bei schneller Fahrt die Karosserie um 26 Millimeter absenkt. Im Offroad-Modus erhöht sie die Bodenfreiheit, die Trimmlage lässt sich um 7,6 Zentimeter variieren. Die Wahl von schlanken Kameras statt zweier Aussenspiegel verbessert den Luftwiderstandsbeiwert des Audi, er liegt bei cW 0,26 statt 0,28 bei den Brudermodellen.



Was die Laufleistung angeht, hält man sich noch bedeckt. Der "kleinere" Bruder E-tron Sportback 50 quattro verfügt über eine etwas kleinere Batterie mit 71 kWh, schafft dabei 347 Kilometer - ist also nicht unbedingt ein Langstreckenauto (es sei denn, man hat ausreichend Zeit zum Laden). Der "S" hat eine grössere Batterie, muss aber auch wesentlich mehr bewegen.

Apropos laden: Das geht notfalls in der heimischen Garage an einer 230-Volt-Steckdose, dauert dann aber eine Ewigkeit. An Schnell-Ladestation mit 150 kW Leistung dauert die Ertüchtigung der Batterie von fünf auf 80 Prozent rund eine halbe Stunde. An diesen übernimmt Audi die Kosten im Transittarif im ersten Jahr. Allerdings kostet der Elektro-Sportler wohl ein ordentliches Sümmchen - mindestens 90.000 Euro sollte man einkalkulieren.

hs/greifenthal/Michael Kirchberger/ampnet | Fotos: Audi





WEITERE PASSENDE NACHRICHTEN ZUM ARTIKEL

Bezahlte Empfehlung | Anzeige



FIA CROSS COUNTRY WORLD CUP 2020


Bezahlte Empfehlung | Anzeige


VIDEO TIP AUS UNSEREM KINO



SERIEN & SPECIALS BEI JOHNTIM.DE


Bezahlte Empfehlung | Anzeige


Social Media und Kontakt

Facebook

social

Twitter

social

Youtube

video

Dailymotion

video

Newsletter

kontakt

E-Mail Box

kontakt


JOHNTIM.DE RALLYE RUECKBLICK


Bezahlte Empfehlung | Anzeige



Bezahlte Empfehlung | Anzeige