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Dakar 2020: Ales Loprais fährt mit Retro-Automatik Praga

15. Nov. 2019 I Autor: Hansy Schekahn I 786 mal gelesen
Dakar 2020: Ales Loprais fährt mit Retro-Automatik Praga
Praga statt Tatra - böse Zungen behaupten es wäre ein kosmetisches Facelift - aber der Truck ist fast neu

Für einige Verwirrung hat die Ankündigung des tschechischen Rally-Truckteams von Ales Loprais gesorgt, auf der Dakar Rallye 2020 mit einem "Praga"-Truck namens "V4S DKR" an den Start zu gehen - denn wer sich auskennt weiss: Praga baut schon seit Jahren keine Lkw mehr, sondern konzentriert sich auf kleine Renn-Carts, Leicht-Flugzeuge und einen Supersportwagen. Seit Mitte der 80er Jahre wurde die Praga-Lkw Produktion eingestellt. In den 2000ern übernahm die britische Firma "Intrall" die Rechte an der Lkw-Produktion unter dem Namen "Praga", das letzte produzierte Modell war der Praga Alfa UN (eingestellt 2008).

Praga hat zwar keine Lkw mehr, aber eine History - und hilft

Was Ales Loprais und sein Team jetzt zusammengebastelt haben, hat also eigentlich nur den Namen Praga und eine nostalgisch angehauchte Optik, die an den legendären [ PRAGA V3S ] erinnern soll. "Das ist nur Show, es gibt keine Praga mehr," sagt ein Experte der tschechischen Truck-Trial Szene - hier sind Praga immer noch gerne gesehen. Aber: Loprais hatte immer wieder nach Partnern im Truck-Bereich gesucht, es war schwierig. Ausgerechnet das Unternehmen Praga war dennoch an einer Kooperation interessiert: "Das beste Angebot kam von Praga," erzählt Loprais in einem Interview mit dem tschechischen Magazin [ DAKARMANIA.CZ ]. "Praga hat zwar keine Lkw-Produktion mehr, aber zahlreiche andere, interessante Bereiche, bei denen wir kooperieren."





Ist der neue Truck also nur ein Facelift des alten Tatra, "Princess 69" genannt? Nein - auch wenn man hinter der auf alt gemachten Haube in der Tat den bisherigen Renntruck "Princess 69" erkennen kann. Vor allem technisch wurde aufgerüstet, teilweise im Detail. "Es gibt so viel Neues, das es sich eigentlich um einen neuen Truck handelt," sagt Ales Loprais selbst. Das fängt mit dem Motor an: Unter der langen Haube arbeitet fortan eine Iveco-Maschine, die laut Loprais "die Grenze von 1000 PS erreicht" und etwa 4.100 Nm Drehmoment leistet. Zwar habe man mit dem bisherigen Truck auch in etwa soviel PS gehabt, aber der bisher verwendete Caterpillar-Motor war laut Loprais an seiner technischen Grenze, vor allem, was Temperatur und Wartungsfreundlichkeit angeht.

Bisheriges Truck-Projekt mit Caterpillar Motor eine Sackgasse

"Wir waren mit dem bisherigen Auto in einer Sackgasse," berichte Loprais. Das Truck-Feld würde Jahr um Jahr aufrüsten und da konnte man am Ende nicht mehr mithalten. "Man muss heute auch nicht mehr nur an die technische Entwicklung achten, sondern auch die Wartungsfreundlichkeit. Der Service für unseren alten Truck war zeitaufwändig und teuer. Leistung ist wichtig, aber wenn man sie nicht nutzen kann, weil der Truck immer nur heiss wird, bringt die meiste Leistung nichts. Nun haben wir einen nicht ganz so brutalen Truck, aber ausreichend Reserven," so der Tscheche.



Eine der grössten Neuerungen ist der komplette Umbau auf Automatik. Loprais hält sich auch hier mit technischen Details zurück, beschreibt die Situation eher kumpelhaft: "Ich habe ehrlich gesagt noch keine grosse Erfahrung mit Automatik, es wird meine erste Automatik-Dakar sein. Aber man muss es so sehen: Eine Automatik arbeitet präzise und sparsamer. Man muss sich als Fahrer auf einen Punkt weniger konzentrieren. Mit Schalter war man gerade in den Dünen immer am Limit - schalten, nicht schalten, Kupplung schonen. Der Wechsel einer Kupplung hat eine ganze Nacht gedauert. Ein Automatik-Truck hat keine Kupplung."



Die ungewöhnliche Kabine hat in etwa das gleiche Gewicht, ist zwar grösser als bisher, aber optimierte gebaut - auch in Hinsicht auf den Service und die Haltbarkeit. Aber - das darf man doch gar nicht? War da nicht mal was mit "Serien-Kabine" oder "mindestens 200 mal gebaut" im Dakar-Reglement? "Wir haben immer wieder gesehen, das Hersteller 200 Kabinen bauen, nur um es als Serienmodell zu deklarieren. Wir sind einen anderen Weg gegangen. Wir haben uns an den Veranstalter gewandt und auf unser historisches Anliegen hingewiesen, gleichzeitig gezeigt, das wir keine Vorteile wie eine Haube aus Carbon o.Ä. nutzen." Die Komissare hätten der Sonder-Situation schliesslich zugestimmt.

Truck ist eine Sonder-Situation im Reglement des Veranstalters

"Wir haben einen Deal für 2020, aber bei einer Dakar kann immer alles passieren. Wir sind mal fünf Jahre homologiert gefahren und auf einmal ging das nicht mehr. Jetzt haben wir erstmal grünes Licht!" Am 20. November 2019 will der Dakar-Veranstalter auf einer offiziellen Pressekonferenz alle Neuerungen bekanntgeben, das beträfe laut Loprais auch das Reglement für Trucks und Elektro-Fahrzeuge. "Es ist durchaus möglich, das alles wieder anders wird. Die Regeln haben sich mehrfach sehr stark geändert. Nach dem 20. November werden wir schlauer sein!"

hs/schekahn | Fotos: Ales Loprais


 

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