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Der Alte Mann - Vantas, Trump, eine chinesische Hintertür

11. Feb. 2020 I Autor: Bert Hallmackenreuther I 4367 mal gelesen
Der Alte Mann - Vantas, Trump, eine chinesische Hintertür
Wenn Trump chinesische Auto-Importe blockiert und Zoll-Kriege führt, kommen die Chinesen eben nach Amerika

Der Alte Mann - Eine Serie bei JOHNTIM.DE, bei der unser imaginärer Dienst-Ältester den Blick über mehr oder weniger aktuelles Geschehen kreisen lässt. Seinen Blick. Ungeschönt, ohne Rücksicht auf Anzeigen-Kunden, Abmahn-Anwälte und Zukunfts-Gegner. Der alte Mann ist noch mit Fähnchen-Autohändlern gross geworden, er schraubt gerne an Autos, mag Öl und Benzin, ist aber auch der Zukunft nicht abgeneigt. Er verschwendet keine Zeit mit Fake-Bildern bei Instagram und bildet sich seine Meinung nicht anhand von Überschriften bei Facebook - dafür las und hörte er als Kind zu oft "Die Drei Fragezeichen". Der alte Mann ist Journalist der Alten Schule.

Vantas - eine neue US-Automarke, patriotisch laut wie Donald Trump

US-Präsident Donald Trump hat in seinem Leben zwei Sachen richtig gemacht: Zum einen reich von seinen deutschen Vorfahren geerbt, zum anderen zumindest halbwegs intelligente Kinder in die Welt gesetzt, die selbst oder durch Ehepartner das Erbe zumindest teilweise auch retten. Als Präsident ist er nach westlichen Standards kriminell, dumm und absolut unfähig. Zugegeben, er hat auch Erfolge. Aber die sind eher dem einfachen Gemüt und "Haudrauf-Methode" zu verdanken als Intelligenz und Logik - und einer Armee an Mitarbeitern und Mitläufern.

Ausländer sind die grössten US-Autobauer - Trump versteht das nicht

So amüsiert sich die Autowelt immer wieder wenn Trump fordert, die Welt bzw. Deutschland solle doch mehr amerikanische Autos kaufen. Er vergisst dabei zwei Dinge: Zum einen sind die grössten US-amerikanischen Autohersteller BMW und Daimler (die wir auch kaufen - z.B. kommt jeder BMW X5 aus den USA). Zum anderen sind rein-amerikanische Autos eben technisch meist veraltet, schlecht verarbeitet, verbrauchen viel, halten keine Umweltstandards ein oder werden simpel hierzulande einfach nicht angeboten. Doch Trump sieht in BMW eine deutsches Auto und in General Motors ein Amerikanisches - so einfach ist seine kindliche Logik.



Darüber lacht nicht nur die Welt, sondern auch die Chinesen, die Trump nun mit seinen eigenen Waffen schlagen - und schlauer US-Hilfe. "All Vehicles will be made in America by Workers in America" (Alle Fahrzeuge werden in Amerika von Arbeitern in Amerika gebaut) - selbst der Satz, der doch so sehr nach Trump klingt, ist eigentlich falsch - oder schelmisch: Man sagt mit keinem Wort, das es auch amerikanische Arbeiter sein müssen - nur eben Arbeiter IN Amerika. Und weiter: "All cars ... will be assembled in American plants bringing new jobs to America!" Klingt auch sehr nach Trump: "Alle Autos werden in amerikanischen Fabriken gebaut um neue Jobs nach Amerika zu bringen!" Richtig wäre gewesen "um neue Jobs in Amerika zu schaffen". Aber das sind eben die kleinen Spitzen.

Eine Art Trojanisches Pferd um Trump´s Zollkrieg-Politik zu umgehen

Nun gut, aber worum geht es - und über welche Chinesen reden wir? Da ist das US-Unternehmen HAAH, das in dieser Woche angekündigt hat, eine neue US-Amerikanische Automarke zu gründen - jawoll, rein amerikanisch! [ VANTAS ] heisst die neue Marke. Und die arbeitet genau mit den Worten, die Donald Trump so gerne wählt. Im ersten Moment könnte man denken: HAAH sei ein Trump-freundliches, republikanisches Unternehmen. Nein. Im Gegenteil. Hinter HAAH steckt Duke Hale, der zuvor bei Mazda und Volvo im Management gesessen hat. Und dem kommt die Trump´sche Zoll-Krieg-Politik eigentlich äusserst ungelegen.

Duke Hale und HAAH wollten eigentlich nur chinesische Autos importieren, dafür gründete man "Zotye Automobile USA" als Importeur der chinesischen Automarke Zotye. Doch die Ambition, der erste Importeur von China-Autos in den USA zu sein, verzögerte sich immer wieder - das Risiko unter Trump mit China-Importen ist hoch und faktisch nicht planbar, zu sehr liebt der US-Präsident seine Erpressungen gegenüber China (und den Rest der Welt). Was also tun? Man macht es nun selbst - quasi durch die Hintertür und ganz unter Ausnutzung der Trump´schen Logik.



Anstatt zu importieren, will HAAH nun selber Autos bauen und hat dafür eine neue Marke ins Leben gerufen: "Vantas". Man baut Autos in den USA - und ist damit ein US-amerikanischer Autobauer. Aber: Hinter Vantas steckt die Technik von "Chery Automobile", einer der grössten chinesischen Autohersteller. Vantas ist also "die" Hintertür. Eine, die Trump mit seinen Zoll-Kriegen nicht (oder kaum) einschränken kann. Vantas macht aber letztlich nichts Anderes, als mit chinesischem Geld, chinesischem Knowhow und chinesischer Technik in den USA einen Teil des Kuchens zu bekommen - von dem ein Grossteil dann garantiert auch in China landet. So machen es BMW, Daimler oder Volkswagen schliesslich auch.

China nutzt US-Vorteile aus - indem man nun selbst billig in den USA baut

Das ganze hat noch einen weiteren Vorteil: Man umschifft nicht nur Trump, sondern nutzt auch noch alle wirtschaftlichen Vorteile wie Subventionen, billigen Strom, billiges Land oder miese Umweltauflagen aus - aber vor allem: Schlechte Löhne für extrem mies abgesicherte Arbeiter. Dabei hilft Trump auch noch, will er die Arbeitsbedingungen für Arbeiter noch weiter beschränken (u.A. Thema Krankenkasse). Trumps Menschen-feindliche, aber Unternehmens-freundliche Strategie wird gnadenlos genutzt - aber von Trumps Erzfeind, den Chinesen. Aber alles ganz sauber. Gibt ja Arbeitsplätze in Amerika - und Sprüche, wie Trump sie liebt und vor allem: Versteht.





Wer jetzt denkt "Wieso, das macht Tesla in Deutschland doch bald auch?" Nein. Es gibt einen gewaltigen Unterschied. Für Tesla bedeutet die Produktion in Deutschland viel mehr Kosten, als wenn man z.B. in Bulgarien produzieren würde. Alles ist in Deutschland doppelt bis fünfmal so teuer wie z.B. Bulgarien - obwohl Bulgarien genauso in der EU ist wie Deutschland und man in etwa dieselben Subventionen abgreifen könnte. Doch Tesla nimmt die immensen Mehr-Kosten in Deutschland in Kauf: Weil man Fachkräfte bekommt, auf einer perfekte Infratruktur trifft - und sogar das Label "Made in Germany" führen darf. Das Label "Made in USA" hingegen... Naja, dann schon lieber "Made in China".

Tesla kommt nach Deutschland wegen Prestige und deutschem Knowhow

Die Chinesen gehen nach Amerika, um billige Strukturen auszunutzen und Zölle bzw. Zollkriege zu umgehen - und massenhaft China-Autos zu bauen, die dann aber das Label "Made in USA" tragen. Das ganze unter Ausnutzung US-amerikanischer Subventionen und von Arbeitern, deren Absicherungen wir in Europa eher als Sklavenhaltung bezeichnen würden. "Hire & Fire", keine Versicherungen, keine Krankenkassen, lange Arbeitszeiten, kaum Gewerkschaften. Dazu kommen lasche Aufsichtsbehörden, geringe Umweltauflagen, grosse Steuer-Schlupflöcher - was derzeit unter Trump auch noch weiter aufgelockert wird. Ein Paradies für fiese Arbeitgeber.

Anders gesagt: Wer in Deutschland produzieren will, straft und unterwirft sich erst selbst, gewinnt aber langfristig. Wer in den USA investieren will, gewinnt und belohnt sich selbst von der ersten Minute an - und bestraft am Ende unter vollster Ausnutzung auch noch den Gastgeber (wenn man denn will). Genau das fördert Trump - bewusst oder unbewusst. Hauptsache Arbeitsplätze. Hauptsache die Statistik stimmt auf dem Papier. Hauptsache, man kann sich selbst feiern.



Über die neue Automarke "Vantas" selber gibt es noch nicht viel zu sagen. Das erste Auto wird ein SUV, das auf dem chinesischen Chery Exeed basiert. Details, Daten und mehr wurden bisher noch nicht veröffentlicht. Man ziele allerdings das US-Premium-Segment an - nach europäischem Standard also etwa Fiat-Niveau. Vantas selbst macht übrigens keinen Hehl daraus, das dahinter chinesische Technik steckt, im Gegenteil.

"Vantas wird eine grosse Anzahl chinesischer Technologien mit einbringen" heisst es in einer ersten Pressemitteilung. Dazu gehöre auch eine digitale Überwachung, "Intelligent Connected" genannt und nötig für "Sicherheit, Freiheit, autonomes Fahren und als Zeichen für Transparenz." Ahja. In Zeiten, in denen die USA den Mobilfunkspezialisten Huawei der Spionage bezichtigen, klingt die Vantas-Geschichte dann sogar doppelt lustig. Willkommen in den USA - unter Trump.

hs/hallmackenreuther | Fotos: Vantas / Chery / HAAH


 

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