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Der Alte Mann: Tesla und sein dubioses Anzahlungs-Modell

27. Nov. 2019 I Autor: Bert Hallmackenreuther I 2348 mal gelesen
Der Alte Mann: Tesla und sein dubioses Anzahlungs-Modell
Der Alte Mann schaut hinter die Kulissen - und entdeckt bei Tesla ein Geschäftsmodell, das hart am Betrug schrammt

Der Alte Mann - Eine (neue) Serie bei JOHNTIM.DE, bei der unser imaginärer Dienst-Ältester den Blick über mehr oder weniger aktuelles Geschehen kreisen lässt. Seinen Blick. Ungeschönt, ohne Rücksicht auf Anzeigen-Kunden, Abmahn-Anwälte und Zukunfts-Gegner. Der alte Mann ist noch mit Fähnchen-Autohändlern gross geworden, er schraubt gerne an Autos, mag Öl und Benzin, ist aber auch der Zukunft nicht abgeneigt. Er verschwendet keine Zeit mit Fake-Bildern bei Instagram und bildet sich seine Meinung nicht anhand von Überschriften bei Facebook - dafür las und hörte er als Kind zu oft "Die Drei Fragezeichen". Der alte Mann ist Journalist der Alten Schule.

Versprechen nicht einhalten - dafür dann Unglaubliches versprechen

Tesla-Chef Elon Musk ist Genie und Wahnsinn zugleich, das kennen wir ja schon. Der neue Cybertruck, für seine Jünger eine Prophezeiung, erwies sich während der Vorführung schon als Flop. Bei Autofans, Technikern und Ingenieuren sorgt er nur für Kopfschütteln. Pickup-Fans wissen nicht so recht, was sie davon halten sollen.

Oder: Tesla, bis heute in den roten Zahlen und voller nicht gehaltener Versprechen, verspricht auf einer neuen Show einen "Pickup", der alles kann, alles bietet, einen Porsche schlägt, besser als alle Pickups ever ist, gepanzert daherkommt und dabei soviel kosten soll wie ein VW Golf mit elektrischen Fensterhebern. Glauben Sie das? Seine Jünger ja. Doch alles in allem will Musk eines: Ablenken, Zahlen schönen, Geld (mit Anzahlungen) kassieren.



Stellen Sie sich vor, wir versprechen Ihnen einen VW Polo aus Gold, in den Abmessungen aber gross wie ein Bentley Bentayga, schneller als ein Flugzeug, dank Flux-Kompensator mit Müll angetrieben. Das hübsche Model von der letzten Messe setzen wir auch noch oben drauf (für Damen alternativ einen kräftigen Sportler). Das versprechen wir Ihnen, garantiert, für 8.500 Euro! Echt! Bald! 2020 oder so...! Aber: Sie können jetzt schon anzahlen.

Läppische 100 Euro verlangt Tesla für eine Vorbestellung (die, wenn überhaupt, nicht vor Ende 2021 greifen würde), die müssen auch sofort gezahlt werden. Für ein Auto, das es so nie geben wird - weil es so gar nicht machbar ist. Erst recht nicht für einen Preis unter 40.000 Euro. Würden Sie einfach Jemandem unter diesen Bedingungen 100 Euro überweisen - wobei Sie erst in mindestens zwei Jahren erfahren, ob sie dafür noch später vielleicht, eventuell auch etwas bekommen? Musk-Jünger sofort. Und das ist kalkuliert. Was sind schon 100 Euro Anteil an einer grossen Vision.

100 Euro Anzahlung für einen Pickup den es so niemals geben wird

Alleine die TÜV-Prüfer mögen sich angesichts des Stealth-Bombers vor lachen in die Hose gemacht haben. Glaubt Elon Musk ernsthaft, das eine zivilisierte (!) Nation diesem "Etwas" in dieser Form eine Zulassung erteilt? Wird eine Panzerung (kostet alleine meist ab 50.000 Euro aufwärts, ohne Auto) jetzt gratis angeboten? Sind Panzerungen fortan so federleicht, das ein E-Motor dennoch einen Pickup diesen Ausmasses antreiben kann? Wurde einmal nach dem Sinn und Nutzen gefragt? Oder weiss Musk mehr, als wir alle zusammen?



Nichts vom Cybertruck wird wie in der vorgestellten Form kommen. Erst recht nicht für den angegebenen Preis. Das ist technisch und voraussichtlich rechtlich relativ unmöglich. Doch was steckt dann dahinter? Ablenkung von Problemen, klar. Aber taktisch viel mehr: A) Tesla spricht von Bestellungen, es sind faktisch aber nur Vor-Reservierungen für eine spätere Bestellung. B) Man muss sofort 100 Euro anzahlen. Die gibt es in 2-3 Jahren (oder später) eventuell zurück... Das mag sein, aber selbst dann werden tausende ihre Pre-Order schon vergessen haben. Tesla behält das Geld also ohne Gegenleistung, ganz legal. C) Man will die Zahlen schönen. Bei 100 Euro Anzahlung gibt selbst ein 16-Jähriger sein Taschengeld aus, um (ohne zu Lügen) behaupten zu können, er hätte zu seinem 18. Geburtstag einen Tesla bestellt. Gemerkt?

20 Millionen* Euro zinsfrei für minimum 2 Jahre ohne Gegenleistung

Das, was Tesla mit dem Cybertruck gerade anstellt, hat nichts mit technischer Innovation zu tun - sondern ist als äusserst dubiose, mit Sicherheit unseriöse PR-Maschine zu verstehen, mit der man ablenken, täuschen und Geld einnehmen will - im vollen Wissen, das der Cybertruck so nie was wird. Man könnte auch sagen, mit Intelligenz ganz hart dicht dran am Betrug, haarscharf.



Glauben Sie immer noch nicht? Hier eine kleine Motivation: Elon Musk twittert immer wieder neue Zahlen von "Bestellungen" (Orders), obwohl dies eben keine sind. Glaubt man den Zahlen des nicht selten gerne lügenden Elon Musk, wären es aktuell mehr als 200.000 "Orders". Heisst: 200.000 x 100 Euro = 20 Millionen Euro. Rechnen Sie alleine mal die Zinsen für zwei Jahre (Bestellungen gelten ja nicht vor Ende 2021), die Tesla von den Anzahlern geschenkt bekommt. Da lohnt es sich, wenn selbst nur 10 Prozent ihre Bestellung "vergessen".

Mit dieser Auffassung stehen wir übrigens nicht alleine da... wir sprechen es nur deutlicher aus. Wen es interessiert, die [ WELT ] hat sich einmal mit dem Thema genauer befasst - und die Experten von [ KFZ-BETRIEB ] fanden gar heraus, das 81 Prozent ihrer Leser das Auto ablehnen. * = 20 Millionen nach aktuellem Stand bei 200.000 kostenpflichtigen Vor-Reservierungen. Den vergoldeten Polo gibt es übrigens nicht (nur falls einer eine Anzahlung leisten will).

hs/hallmackenreuther | Fotos: Tesla, pixabay / OpenClipart-Vectors, Wikipedia / JD Lasica CC BY 2.0


 

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