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Die Auto-Welt geht munter unter - und wir sind live dabei

11. Mar. 2020 I Autor: Bert Hallmackenreuther I 6289 mal gelesen
Die Auto-Welt geht munter unter - und wir sind live dabei
Der Alte Mann denkt laut nach - So oder so, der Corona-Virus trifft die Auto-Industrie zum schlechtesten Zeitpunkt

Der Alte Mann - Eine Serie bei JOHNTIM.DE, bei der unser imaginärer Dienst-Ältester den Blick über mehr oder weniger aktuelles Geschehen kreisen lässt. Seinen Blick. Ungeschönt, ohne Rücksicht auf Anzeigen-Kunden, Abmahn-Anwälte und Zukunfts-Gegner. Der alte Mann ist noch mit Fähnchen-Autohändlern gross geworden, er schraubt gerne an Autos, mag Öl und Benzin, ist aber auch der Zukunft nicht abgeneigt. Er verschwendet keine Zeit mit Fake-Bildern bei Instagram und bildet sich seine Meinung nicht anhand von Überschriften bei Facebook - dafür las und hörte er als Kind zu oft "Die Drei Fragezeichen". Der alte Mann ist Journalist der Alten Schule.

Eine aufgeblasene Wirtschaft, C02-Wahnsinn und Corona-Dolchstoss

Das jüngste Gericht? Geht die Welt unter? Panikmache? Nö, keine Sorge, wir sind nicht die BILD. Aber wir denken nach. Viren halten derzeit eine Wirtschaft im Schwitzkasten, die so fragil und aufgeblasen ist wie schon lange nicht mehr. Künstlich gepuschte, rein virtuelle Unternehmenswerte sind blühende Beispiele für überzogene Trend-Investitionen in eine ungewisse Zukunft. Wie das enden kann, erlebte die Wirtschaft jüngst mit dem Milliarden-Betrug der US-Amerikanerin Elizabeth Holmes und ihrem Fake-Unternehmen Theranos. Nun kommt ein unbekannter Virus namens "Covid-19" im chinesischen Wuhan zum Ausbruch - und der Braten stinkt mehr denn je. Und das auch für europäische Automobilkonzerne, die dank EU-C02-Wahnsinns sowieso schon mit dem Rücken zur Wand stehen.



Abschottung, Quarantäne und Isolation führen infolge von Corona zu Wirtschaftsschäden, die zum jetzigen Zeitpunkt kaum bezifferbar, aber immens sind. Denn die Lieferketten stehen teils still. Italien hat gar das ganze Land abgeriegelt, um der Virusinfektion Herr zu werden. Und auch der Nachschub aus China lässt auf sich warten: Daimler musste kürzlich bereits die Produktion des Hoffnungsträgers EQC aussetzen, weil kein Nachschub an Batteriezellen aus Fernost eintraf. Ähnliche Engpässe sind in zahlreichen Lieferketten von Konkurrenten und Zulieferern abzusehen. Nun kann man meinen, das sei alles aufgeblasen. Aber wer "Zombie-Filme" kennt weiss - das Blatt kann sich schnell wenden.

Unabsehbare Wirtschaftsschäden und C02-Erpressung durch die EU

Dabei haben es die Hersteller bewusst eilig. Von CO2-Limitierungen in die Enge getrieben versuchen die Autobauer alles nur Mögliche, um Strafzahlungen zu entfliehen. Schnellstens muss also die Produktion von Elektroautos auf Hochtouren laufen, um den empfindlichen Ausgaben zu entfliehen. Zeitgleich wird die Nachfrage nach Elektroautos - getrieben von Sonderangeboten, Leasingmöglichkeiten und staatlichen Subventionen - künstlich gesteigert. Bis sich die Investitionen in die neue Technologie lohnen, stehen schwere Jahre auf dem Plan. Dabei ist nicht einmal klar, ob überhaupt noch jemand ein Elektroauto kauft, wenn Wasserstoff-Brennzellen oder E-Fuels für den Tank des Verbrenners auch gehen - und das auch noch umweltfreundlicher.



In der Geschwindigkeit der Entwicklungen sind bisher alle europäischen Hersteller ins Straucheln gekommen, auch in den USA ist von Stabilität nichts mehr zu spüren. Das zum Grossraum-Problembezirk verkommene Detroit spricht für sich. Und das ist nur die Ausgangslage, auf der die letzten Detroit-Riesen General Motors und Ford gerade auch noch Corona ausschwitzen müssen. Die Konzernumbauten sind jedoch auf allen Seiten von Sparkursen und digitalisierter Automation gekennzeichnet. Letztere kommt zwar langfristig günstiger, sorgt aber für schwindende Beschäftigung im Sektor. Hinzu kommt die Zusammenlegung der Entwicklungsabteilungen durch Megafusionen, die auch an der Identität mancher Marke kratzt. Nein, die Automobilindustrie kann keinen weiteren Rückschlag vertragen.

Pandemie kommt für die Auto-Wirtschaft zum ungünstigsten Zeitpunkt

Und doch: Der 9. März 2020 geht als schwarzer Montag in die Geschichtsbücher ein. Schon zum Marktstart der New Yorker Börse schmierte der Dow Jones derart heftig ab, das der Handel für 15 Minuten ausgesetzt wurde. Der sogenannte Circuit-Breaker verhinderte den Fall ins Bodenlose, konnte aber keine Schäden mehr ausgleichen.



Der Ölpreis fiel am Montag um etwa 30 Prozent. Russlands nun ewiger "Präsident" Vladimir Putin hat hoch gepokert und einer gewünschten Drosselung der Ölförderung durch die OPEC nicht zugestimmt. Er hat falsch gepokert: Saudi-Arabien verkaufte daraufhin Öl zu Dumpingpreisen an China. Der Kreml setzte den Kauf von Fremdwährungen für 30 Tage aus, um den fallenden Rubel vor einem Absturz zu schützen. Deutsche Automobilkonzerne - darunter BMW und Daimler - landeten zweistellig im Minus, der DAX musste zeitweise acht Prozent ins Negative stürzen.

Nun zeigen sich die Nachteile der Globalisierung - macht den Trump!

Die Automobilindustrie ist von einer Reihe fragiler Faktoren abhängig, die durch die Globalisierung an Komplexität zugenommen haben. Es hat auch etwas Gutes, wenn der ansonsten wenig mit Intelligenz beschenkte US-Präsident Donald Trump weg von der Globalisierung zurück zur Regionalität will. Durch das zusätzliche Wettrennen um den besten alternativen Antrieb sind den Joint Ventures keine Grenzen gesetzt; kein Startup zu unseriös, um es nicht doch in die Entwicklung einzugliedern. Selbst vollautonome Robotaxis, für die aktuell in keiner Grossstadt weltweit eine zwingende Notwendigkeit besteht, wurden tapfer erforscht, bezahlt und nun bei manchem Hersteller vorerst in die Ecke gelegt.



Je nach Ausgang der Corona-Krise werden in jedem Fall zahlreiche Jobs gestrichen, Firmen insolvent gemeldet und private Immobilienkredite nicht bedient. Mit einer steigenden Nachfrage nach Neuwagen ist vor dem Hintergrund der weltwirtschaftlichen Aufräumarbeiten also nicht zu rechnen. Auch die Lieferzeiten werden sich um Monate addieren. So rücken auch wichtige Trendwenden bei den Umsätzen der Hersteller und Zulieferer in weite Ferne. Jeder 300-Mann-Betrieb, der für die Automobilindustrie fertigt, steht nun vor der Herausforderung, seine Existenz zu behaupten, grössere Konzerne federn hier zumindest langsamer ab und dürfen ebenfalls mit staatlicher Hilfe rechnen. Und die braucht es.

Der eigentliche wirtschaftliche Schaden wird sicher Jahre anhalten

Ohne Notfallpaket für die Automobilindustrie wird der deutsche Exportschlager auf vier Rädern so schnell nicht wieder zu Kräften kommen. Zum Glück hat die Politik das schnell erkannt und will nun ein eben solch Notfallpaket auf den Weg bringen. Als Reaktion auf den schwarzen Montag arbeitet der Bund bereits erweiterte Regeln zur Kurzarbeit aus, um Unternehmen schneller wieder zu Kräften kommen zu lassen. Sozialbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden sollen ab April voll ersetzt werden. 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns zahlt die Bundesagentur für Arbeit. Ein milliardenschweres Zusatzpaket soll zudem das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Zeitgleich stehen laut dem Spiegel 3,3 Milliarden CO2-Strafzahlungen für die Automobilindustrie auf dem Plan. Verrückte Welt.



Fusionen kurbeln nach dem langem Stillstand der Riesen gerade wieder den Trend an. Aktuell kommen sich PSA und Fiat-Chrysler näher mit einem riesigen Markenkonglomerat. Nun sind nur noch wenige eigenständige Automobilkonzerne existent, was den Wettbewerb neu aufmischt. Und die Trümmer von Covid-19 werden die Fusionswilligkeit auch bei anderen Konzernen steigern. Sich gegenseitig unter die Arme greifen, mehr mit weniger schaffen – das ist die Überlebensstrategie in einer Wirtschaftswelt, die Tesla den gleichen Börsenwert zuspricht wie Volkswagen. 367.500 Fahrzeuge lieferte die Traumfabrik von Elon Musk im letzten Jahr aus. Solche Zahlen schafft Volkswagen in wenigen Wochen. Merken Sie was?

hs/hallmackenreuther/Dennis Gauert/ampnet | Fotos: Pixabay

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