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Fahrbericht - Citroën C5 Aircross - der individuelle Klon

23. Jan. 2020 I Autor: Hagen Greifenthal I 1913 mal gelesen
Fahrbericht - Citroën C5 Aircross - der individuelle Klon
Der freche unter den vier Brüdern - der C5 Aircross versprüht Frische und Individualität ist dabei aber ganz brav

Eines muss man dem französischen PSA-Konzern lassen: Er weiss, wie man Autos verkauft und dabei Geld macht. Ja er schafft es sogar, den jahrzehntelang durch den US-Konzern General Motors unfähig geleiteten deutschen Autokonzern Opel zu retten. Die Marken Peugeot, Citroën und Opel zählen die Franzosen zum Portfolio. Und weil sich selbst die Citroën-Kunden zu wenig individualisiert sahen, machte man noch den Citroën-Ableger DS daraus. Das Geheimnis des Erfolges: Alles sind dieselben Autos - nur mit anderer Hülle und den Marken-spezifischen Wünschen angepasst.

Viermal das gleiche Auto für vier ganz unterschiedliche Kundengruppen

Doch die Zeiten, als der französische Präsident eine auf 6,53 Meter gestreckte DS-Staatskarosse fahren durfte, sind lange vorbei. Französische Präsidenten müssen mit internationalen Kollegen gleichhalten - und kamen jahrelang mit französischen Mittelklassewagen und sogar Vans (Renault Espace) vorgefahren. Das muss man sich bildlich vorstellen: Die Welt zeigt pompös was sie hat, und der kleine Emanuel Macron kommt in der Familienkutsche. Einer Französischen. Da muss man ihn doch schon aus Mitleid mitspielen lassen.

Die Situation hat sich dank der genialen PSA-Strategie geändert. Emanuel Macron darf nun in einem DS7 Crossback SUV vorfahren. Das wäre immer noch so, als wenn Angela Merkel in einem VW Tiguan kommen würde. Aber immerhin.



Macron ist jetzt also auch SUV-Fahrer, willkommen in der Familie. Obwohl sein DS7 Crossback mit einem echten SUV ebenso wenig gemein hat, wie die Brüder Opel Grandland X, Peugeot 5008 oder Citroën C5 Aircross, die alle nicht nur auf dem gleichen Baukasten aufbauen, sondern sich auch sonst viel teilen (ähnlich wie einst VW Touareg / Porsche Cayenne / Audi Q7). Ein SUV Lastenheft schreibt eigentlich auch Allrad und zumindest eine kleine Geländetauglichkeit vor. Egal, Allrad braucht der klassische PSA-Kunde sowieso nicht.

Der Citroën C5 Aircross hat seine ganz spezielle Rolle unter Brüdern

Jeder der PSA-Vierlinge hat seine klare Aufgabe: Der DS7 Crossback ist die Luxus-Variante für Individualisten, der Peugeot der exzentrische und gut gestylte Familien- und Szenetyp, der Opel der "Deutsche", brav und klassisch gezeichnete "Gesittete". Und der Citroën: Der Klassen-Clown, der die Backen dick machen kann - aber erwachsen geworden ist. Seitliche Airbumps wie beim Cactus sucht man zum Glück vergebens.

Doch auch ein (erwachsener) Klassenclown hat seine Fans. Sogar Viele - und verkauft sich entsprechend gut. Vom rustikalen Charme des C5 Aircross, der mit der auffälligen und frechen Frontpartie, den schwarz umrandeten Radläufen und seitlicher Beplankung einen Hauch von Offroad-Romantik verströmt, sollte man sich allerdings nicht auf eine falsche (Allrad-)Fährte locken lassen.





Citroëns Wunsch nach Abgrenzung zum Herkömmlichen setzt sich neben der äusseren Erscheinung auch bei der Innenraumgestaltung fort. Im Cockpit machen die acht grossen Lüftungsausströmer auf sich aufmerksam, deren abgerundete Ecken als Designthema noch an vielen anderen Funktions- und Dekor-Elementen wiederholt werden.

Allgemein wirkt das Cockpit erfrischend anders - würden wir es mit Frauen vergleichen, wäre das Cockpit des C5 Aircross ein forsch-junges Topmodel aus Paris und das Cockpit eines VW Tiguan eine Krankenkassen-Sachbearbeiterin aus Wuppertal (geschieden). Und auch hier gibt es tolle Individualisierungen - vom studentischen Plastik-Look bis zur Optik eines Bentley. Auch da können gewisse Konkurrenten nicht mithalten. Alleine das Lenkrad macht schon Freude. Unten abgeschrägt, klein aber dick, liegt es perfekt in der Hand.

Interessantes Cockpit - das auf Wunsch auch ganz nobel sein kann

Auf der Mittelkonsole fällt der bumerangartig nach vorn geneigte Schalthebel der Acht-Gang-Automatik auf. Er ist gar nicht so unhandlich wie er aussieht und kommt bei zahlreichen anderen PSA-Modellen ebenfalls zum Einsatz. Neben dem Hebel befindet sich der Drehschalter für die Fahrmodi. Es kann zwischen Sand, Matsch, Schnee und "ESP off" gewählt werden, das "Grip Control"-System soll die Traktion auf unklarem Untergrund verbessern. Man suggeriert seinen Kunden wenigstens, das man offroad was könnte und nicht nur in einem hohen Auto sitzt.

Die Taste für die Warnblinkanlage ist allerdings recht tief und deshalb schlecht sichtbar angebracht - über irgendwas muss man ja auch mal meckern (sie sehen schon, der C5 Aircross gefällt auch unserem Fahrer).



Traditionell geht es bei Citroën aber auch um Bequemlichkeit und Funktionalität. Die Ausstattung mit drei Einzelsitzen hinten, die um 15 Zentimeter verschiebbar sind und bewegliche Rückenlehnen haben, sind ein unbestreitbarer Komfortgewinn für die Fondpassagiere. Der Radstand von 2,73 Metern sorgt ausserdem für ordentliche Beinfreiheit.

Das man den hinten Sitzenden dennoch das Gefühl vermittelt, sich auf den "billigen Plätzen" zu befinden, indem man die Türen mit Hartplastik verkleidet, hätte nicht Not getan. Vorne sind die Türverkleidungen hingegen weich unterschäumt. Zwischen den vorderen Türen wurden 1,46 Meter Bewegungsfreiheit gemessen, zwischen den hinteren 1,43 Meter.

Laut Hersteller verfügt der C5 Aircross über ein Kofferraumvolumen von 580 bis 1.630 Litern. Der ADAC kam bei seiner Messung allerdings zu einem anderen Ergebnis: Dort sind es 405 bis 1.370 Liter. Da wir nur fahren aber nicht testen, haben wir nicht nachgemessen - im Zweifel also für den Angeklagten. Die Ladekante ist 73 Zentimeter hoch und unter dem Schloss der elektrischen Heckklappe waren beim Testwagen nur 1,76 Meter "Luft". Vorsicht vor Kopfnüssen ist beim Beladen also angebracht.





In der Top-Ausstattung "Shine" bringt der Wagen unter anderem folgende Ausstattungsmerkmale mit: Aktiver Geschwindigkeitsregler- und Begrenzer, Notbrems-, Spurhalte-, Aufmerksamkeits- und Toter-Winkel-Assistent, Verkehrszeichenerkennung und ein Navigationssystem. Dazu kommen ein elektrisch verstellbarer Fahrersitz, Fernlicht-Assistent, Full LED-Scheinwerfer, Sitzheizung für die vorderen Sitze, Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht, Einparkhilfe vorn und hinten sowie ein Keyless-Go-System.

Was auffiel: Die im Hauptdisplay vorgesehene Tempowarnung ist offenkundig nicht mit den GPS-Daten des Navigationssystems synchronisiert, denn zuweilen wurde in geschlossenen Ortschaften keine Geschwindigkeitsbegrenzung angezeigt. Aber das ist im Gesamtbild auch nur eine Petitesse.



Das aus 400 Newtonmetern Drehmoment resultierende souveräne Beschleunigungsvermögen des Zwei-Liter-Diesels Blue HDi 180 macht Spass, der Motor bleibt dabei zurückhaltend und kultiviert. Die Start-Stopp-Automatik ist so programmiert, das sie den Motorlauf schon dann unterbricht, wenn das Fahrzeug noch nicht völlig zum Stillstand gekommen ist. Das kann bei sehr langsamem Abbiegen allerdings zu Überraschungen führen. Der Testverbrauch von 6,3 Litern pro 100 Kilometer war zwar für Grösse und Gewicht des Fahrzeugs angemessen, lag aber 1,6 Liter über der Herstellerangabe - hat Citroën das heute noch nötig?

Der Test-Diesel ist spritzig, macht Spass und kann sogar 211 km/h

Das sehr komfortabel abgestimmte Fahrwerk ist auch von groben Untergrund nur schwer aus der Ruhe zu bringen. Es dringen kaum Stösse in die Kabine vor, sanftes Gleiten bestimmt das Fahrerlebnis. Leider fühlt sich die Lenkung sehr indirekt an, so das man bei forscherer Gangart oft zum Korrigieren geneigt ist. Dennoch: Mit überraschenden 211 km/h Spitze kann man bestens auf der Autobahn mitschwimmen, Beschleunigungssrennen sind mit 8,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h trotz der beglückenden Spritzigkeit allerdings nicht drin. Doch beides sind Argumente, die bei Citroën-Kunden garantiert weniger im Fokus stehen.



Fazit: Praktische Innenraumlösungen und eine umfangreiche Ausstattung schnüren beim C5 Aircross ein ansprechendes Gesamtpaket, dessen Preis (Testwagen 43.240 Euro) allerdings auch kein Schnäppchen mehr ist. Ohne sich grössere Schwächen zu leisten, gab der Testwagen ein Bild soliden Komforts ab. Kein Wunder, das der grosse Franzose sich bestens verkauft. Denn auch wenn er optisch der eigenwilligste der PSA-Vierer-Combo ist - wer von den potentiellen Käufern vergleicht die schon tatsächlich?

Einen Citroën kauft man aus Überzeugung. Und weil man ihn mag. Dafür bekommt man ein wie versprochen ungewöhnliches, aber gutes und zuverlässiges Auto mit vielen Individualisierungsoptionen. Ja, aus Frankreich. Aber genau so soll es sein - und die Zeiten von Stammtisch-Parolen sind eh passé...

Technische Daten Citroën C5 Aircross Blue HDi 180 Shine

Länge x Breite x Höhe (cm): 450 x 184 x 165
Radstand (cm): 273
Motor: R4-Diesel, 1.997 ccm, Turbo, Direkteinspritzung
Leistung: 177 PS bei 3.750 U/min
Max. Drehmoment: 400 Nm bei 2.000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 211 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,6 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 4,7 Liter
CO2-Emissionen: 124 g/km (Euro 6d-Temp)
Effizienzklasse: A
Testverbrauch: 6,3 Liter
Leergewicht/Zuladung: 1.615 kg / 575 kg
Kofferraumvolumen: 580 – 1.630 Liter
Max. Anhängelast: 1.650 kg
Basispreis: 40.290 Euro
Testwagenpreis: 43.240 Euro

hs/Axel F. Busse/ampnet/greifenthal | Fotos: Citroen Deutschland


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