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Porsche Chef Blume - Millionen-Spenden und Corona-Aufruf

27. Mar. 2020 I Autor: Hagen Greifenthal I 1773 mal gelesen
Porsche Chef Blume - Millionen-Spenden und Corona-Aufruf
In der Corona-Krise appelliert Porsche Chef Oliver Blume an Alle - das Unternehmen selbst hilft grosszügig

Die Autoindustrie international in der Corona-Krise. Während Einige sich nur um die eigene Existenz kümmern, gibt es in der Auto-Industrie aber auch "Gute Seelen" [ WIR BERICHTETEN ]. Die einen stellen Mitarbeiter für Corona-Hilfe frei, Andere spenden Geld, Sachwerte und ganze Autos, widerum Andere steigen in die Produktion von dringend benötigten Mitteln ein. Eine Vorreiterrolle übernimmt hier die FCA Fiat Chrysler Gruppe aus Italien.



In Deutschland glänzt vor allem der Volkswagen-Konzern. Nun prescht deren Tochter Porsche vor. Porsche selbst will in der Corona-Krise Verantwortung übernehmen. Das Unternehmen spendet 5 Millionen Euro an Menschen, die durch das Virus in Not geraten - und gibt 200.000 Euro für Lebensmittelspenden an Tafel-Läden aus. Auch eine Fertigung von medizinischen Produkten werde geprüft, sagt Porsche-Chef Oliver Blume nun im Interview.

Herr Blume, sind Sie gesund?

Glücklicherweise ja.

Sind Sie im Büro, oder leiten Sie Porsche jetzt im Homeoffice?

Im Büro. Ich halte es für wichtig, das ich als Unternehmenslenker vor Ort bin, und das die Leute wissen, wo sie mich finden, wenn sie mich brauchen. Die allermeisten Meetings und Besprechungen finden jetzt natürlich über Videoschalten und Telefonkonferenzen statt. Gleichzeitig gibt es zwingend erforderliche Tätigkeiten, die räumlich bei Porsche erledigt werden müssen - unter Beachtung aller Schutzmassnahmen.

Werden Sie nach der Krise mehr Besprechungen am Telefon machen?

Wir lernen mit Sicherheit in dieser Krise technische Möglichkeiten kennen, die wir vorher nicht in dem Masse genutzt haben und stellen fest, das es manchmal auch effizienter sein kann, sich per Skype kurzzuschliessen als von Standort zu Standort zu fahren. Aber ich freue mich ehrlich gesagt auch schon wieder auf den persönlichen Kontakt mit meinen Kolleginnen und Kollegen.



Im Moment hat Porsche eine Produktionspause. Ist schon klar, das Sie die Fertigung nach Ablauf der zweiwöchigen Unterbrechung wieder hochfahren können?

Wir fahren auf Sicht. Wichtig ist für uns vor allem, das die Lieferketten baldmöglich wiederaufgebaut werden können. Wir sind dabei weniger von China abhängig als von europäischen Nachbarn. Insofern hoffe ich in der Sache, das wir es als Gesellschaft schaffen, das Coronavirus einzugrenzen. Und, das wir auf europäischer Ebene dann ein Signal bekommen, wann wir gemeinsam die Produktion wieder hochfahren können.

Wie stark wird Porsche die Krise treffen? Manche Ökonomen rechnen mit dem grössten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg?

Es gibt von Experten verschiedene Krisenszenarien. Das sogenannte V-Szenario unterstellt, das wir uns jetzt zwar auf einen sehr grossen Einbruch einstellen müssen, aber das das Absatzniveau nach der Krise höher sein wird als davor. Meine Hoffnung ist, das wir es mit diesem V-Effekt zu tun haben werden. Wichtig ist dabei auch, das die Politik die Wirtschaft während der gesamten Krisenzeit unterstützt – zum Beispiel um die Nachfrage zu steigern, damit wir dieses Tal so schnell wie möglich hinter uns lassen.

Unser Anspruch ist es, diese Krise systematisch und verantwortungsvoll zu managen und sie gleichsam als Chance zu verstehen. Wichtig ist eine optimistische Grundhaltung, nach vorne zu schauen – und nach der Krise so schnell wie möglich wieder Vollgas zu geben.



Momentan haben wir die Talsohle offensichtlich noch nicht erreicht. Und bei der Baden-Württembergischen Landesregierung ist die Not so gross, das sie sich bei der Beschaffung von medizinischen Materialien an die Wirtschaft gewandt hat. Kann Porsche helfen?

Das Land Baden-Württemberg hat eine Krisen-Taskforce ins Leben gerufen. Ich habe Ministerpräsident Winfried Kretschmann als Antwort auf seine Bitte um Mithilfe geschrieben, das wir das Land bei der Organisation der Taskforce unterstützen wollen. Berater von Porsche Consulting können dabei ebenso helfen wie die IT-Spezialisten unserer Tochter MHP. Zum Beispiel, Prozesse zu strukturieren und koordinieren, wo was benötigt wird und welches Unternehmen dafür ein passendes Angebot hat. Das bieten wir natürlich kostenfrei an.

Können Sie auch bei der Materialbeschaffung helfen?

Wir klären gerade mit der Landesregierung, welche Komponenten konkret benötigt werden. Das geht von Schutzbrillen bis hin zu Beatmungsmasken. Bei hochspezialisierten Medizinprodukten muss man die gesetzlichen Auflagen und Zertifizierungen beachten. Die Führung muss hier bei den Spezialisten aus der Medizintechnik liegen, die dann Aufträge an die Autoindustrie delegieren. Unsere 3D-Drucker stehen auf jeden Fall zur Verfügung.

Wir haben in einem ersten Schritt bereits Schutzbekleidung aus unseren Beständen an die Landesregierung weitergeleitet. Und wir beteiligen uns gemeinsam mit unserem Mutterkonzern Volkswagen an der Beschaffung weiterer Ausrüstung in grossem Umfang insbesondere aus China. Zudem müssen wir darauf achten, das wir über den medizinischen Bereich hinausschauen und erkennen wo gerade unsere Hilfe gebraucht wird.

Was meinen Sie damit?

In diesen Krisenzeiten spüren viele Tafeln schmerzhaft, das sie kaum mehr Lebensmittelspenden erhalten. Darum verdoppeln wir unsere Spenden an die Tafeln, damit sich Menschen dort weiterhin mit Lebensmitteln versorgen können.



Was heisst verdoppeln in Zahlen?

Wir unterstützen die Tafeln an unseren Standorten in diesem Jahr mit 200.000 Euro. Darüber hinaus haben wir insbesondere den karitativen Einrichtungen das Angebot gemacht, Fahrzeuge mit Fahrern zur Verfügung zu stellen. Zum Beispiel für Fälle, bei denen es einen Engpass beim Transport von Hilfsgütern oder Personen gibt. Wir haben zudem das Spendenvolumen der Porsche AG um fünf Millionen Euro aufgestockt. Mit dem Betrag werden lokale Organisationen und Menschen unterstützt, die durch die Corona-Krise in Not geraten. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter packen aber auch persönlich und ehrenamtlich bei den karitativen Organisationen an unseren Standorten an.

Das kann nur freiwillig erfolgen, oder?

Natürlich. Ich habe viele Mails und Fragen von Kolleginnen und Kollegen erhalten, die sich einbringen wollen. Wir haben das nun über unsere internen Medien kanalisiert und Listen von Organisationen an unseren Standorten in Baden-Württemberg und Sachsen veröffentlicht, die Hilfe benötigen. Unsere Mitarbeiter können sich hier einbringen.

Wir haben beispielsweise unter unseren Beschäftigten eine ganze Reihe von ausgebildeten Sanitätern. Diese Menschen werden jetzt natürlich dringend benötigt, teilweise geht es aber auch um die reine Arbeitskraft. Ich würde diesen Impuls übrigens gern auch an alle Leserinnen und Leser aussenden: Alle Menschen können entsprechend ihrer Talente mithelfen, diese Krise bestmöglich zu meistern.



Die Corona-Krise stellt auch Porsche vor viele Herausforderungen. Wie schaffen Sie es, nebenbei solche Hilfsprogramme auf die Beine zu stellen?

Mit Herzblut. An erster Stelle stehen die Menschen. Das gilt generell, aber vor allem in dieser Krise. In zweiter Linie kommen alle anderen Hausaufgaben. Unser Krisenstab kommt jeden Tag virtuell zusammen und kümmert sich zum einen um unsere Hilfsangebote und bespricht zum anderen die Belange von Porsche. In jeder Krise liegt auch eine Chance. Und ich beobachte derzeit, das unsere Gesellschaft zusammenhält. Jeder versucht, dem anderen zu helfen. Alle besinnen sich gerade auf das Wesentliche, und jeder überlegt sich, was wirklich wichtig ist im Leben. Diese Erfahrungen können wir aus der Krise mitnehmen, sie können unser Zusammenleben prägen und alle können davon profitieren.

hs/greifenthal/Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG/anne guhlich/stuttgarter zeitung | Fotos: Porsche


 

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